IL-1 Risikoanalyse

Trotz exzellenter Mundhygiene und einer niedrigen Bakterienbelastung kann ein starker Abbau des Kieferknochens auftreten. Eine amerikanische Forschungsgruppe (Korman et al. 1997) wies als Erste nach, dass diese Patienten überproportional häufig (> 50 %) einen genetischen Defekt in einer bestimmten Komponente des Immunsystems haben. Dieser Defekt führt zur Überproduktion von Interleukin-1 (IL-1), einem wichtigen Entzündungsmediator im Immunsystem. Die Überproduktion von IL-1 führt selbst bei Anwesenheit geringer Bakterienmengen zu starken Immunreaktionen im parodontalen Weich- und Knochengewebe mit einer übermäßigen Aktivierung knochenresorbierender Zellen (Osteoklasten), wodurch ein starker Knochenabbau resultieren kann. Es gilt heute als gesichert, dass die Kombination aus Rauchen und Gendefekt ein signifikant erhöhtes Risiko für Implantat-Komplikationen oder Implantat-Verlust zur Folge hat. Zur Abklärung empfehlen wir den molekulargenetischen Nachweis der entsprechenden Mutation im Interleukin-1-Gen.

Eine genetische Parodontitis-Risikobestimmung (Interleukin-1) ist vor aufwendigen Implantatarbeiten indiziert bei

· aggressiver, therapieresistenter Parodontitis für die individuelle Therapieplanung,

· etablierter Parodontitis und Attachmentverlust zur Verlaufsabschätzung,

· Familienmitgliedern von Parodontitis-Risikobestimmung-positiver Patienten.